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MATERIAL & WIRKUNG Operieren im Urbanen

 
POLEMIK

Leute, lasst es bleiben, hört auf! Fangt endlich an!

Es kotzt mich an, die vielen hinfälligen Werke von Jungkünstlern und nach Wirtschaftserfolg strebenden Artisten zu sehen die devot und fleißig, unbewusst und oportunär, selbstausbeutend Galeriemarkt kompatible Kunstformate bedienen.

Unaufhaltsam werden meist innovationsunverdächtige Altertümer produziert und in lauschig unterhaltsamer Stehpartyamtmosphäre unter Gleichgesinnten in tradierter Ausstellungsroutine zur Schau gestellt.

Da hätte ich noch nicht einmal was dagegen einzuwenden, wenn die Dinger ihr kaufendes Publikum fänden. Das ist aber bei nur max. 5% der ausstellungsraumkompatiblen Kunstprodukte der Fall.

Es nervt, dass seit Jahrzehnten so gehandelt wird als läge das wirtschaftliche Ziel der Bildenden Kunst im Verkauf der Produkte!

De facto wird die eigentliche Basis von Kunst, dass sie gesehen werden muss um wirksam zu sein, dem Verkaufstreben und dem muttiertem Kreativantrieb der Hersteller untergeordnet.

Es ist an der Zeit, dass die inhaltliche Basis Bildender Kunst mit der Praxis wirtschaftlich zusammenfällt wie es bei Tanz, Theater, Film und Musik ganz normal ist: Das Sehen (und Hören), die Angebote zur Wahrnehmung, werden honoriert.

Kaum einer sammelt und kauft wertsteigernde Artefakte bei Tanz, Theater, Film und Musik. Um den Erwarb und Besitz von Irgendetwas geht es bei diesen Kunstformen im Wesentlichen nicht. Scheinbar ist es jedoch bei der Bildenden Kunst das alleinige wirtschaftliche Ziel und prägt so schon früh die Produktionsmuster der nachwachsenden Künstler-innen.

Ständig wird die Erwerbbarkeit der Kunst zu Grunde gelegt, um die Honorierung der Rezeption von Bildender Kunst zu umgehen!

Nur die Museen und großen Institutionen haben es geschafft, Eintrittsgelder zu erheben und diese in sehr differenzierter Form – auf die ich nicht weiter eingehen möchte – an die Produzenten der gezeigten und aufgeführten Werke direkt oder indirekt weiterzugeben. Witzigerweise sind die Nutznießer ohnehin wieder eher die o.g. ca.5% der Künstler unter denen dann auch mal eher verkaufsunkompatieble Ausdrucksformen zu finden sind.

Alle anderen Künstler und Galeristen sind zu feige endlich mal subversive, unkomfortable Ausdrucksformen und Formate zu propagieren. Die Spielbälle des Renommees, gut und hochpreisig anlagefähiges zu verkaufen, werden hochgehalten. Ohne dieses Renommee würde selbst der Kleinkram, von Nachwuchs und Mittelfeld, nicht zu verkaufen sein.

Wenn vergleichsweise wenige Kunstprodukte verkauft werden, Die Ausstellungen aber dennoch ein massenhaftes Publikum anziehen, dann wäre es eigentlich naheliegend Eintrittspreise zu verlangen bzw. Ausstellungshonorare für die Ausstellenden zu zahlen.

Dass man mich nicht missversteht – ich glaube nicht, dass man über Eintrittsgeld oder Honorare den Projekt- und Galerie-Ausstellungsbetrieb voll finanziert bekäme. Es braucht aber endlich einen ersten Schritt den wirtschaftlichen Rezeptionsalltag von Bildender Kunst vergleichbar mit Theater, Musik und Tanz zu gestalten und den „Wert“ von Ausstellungsbesuchen praktisch zu manifestieren, damit die Prägung der Produzenten schöne, handelbare, Wohnraum- und Sammlerkopatiebler Werke herzustellen eine Befreiung erfährt, um nicht nur feuilletonkreatives zu machen. Sowieso hat nur eine Chance (wirtschaftlichen und kunstgeschichtlichen überlebens) was Bekanntes auf eine Weise variiert in dem es dieses zum neuen Unbekannten macht, es aber erlaubt, das Unbekannte noch als bekannt zu erkennen.

Innovationsunverdächtiges langweilt!

Längst sind Eröffnungen zum Event geworden. Der Wirkungs- und Eventkraft der Kunst wird nicht mehr vertraut (mit Recht) und ganz bieder werde über Begleitattraktionen (ne Band spielt wo an gediegenen Orten vielleicht ein Solist oder Kammerorchester was klassisches gespielt hätte) um die Freunde und die Freunde der Freunde anzuziehen. Getränkeverkauf rundet den gesellig-privaten Partyevent ab.

Mein eigentliches daraus resultierendes Anliegen ist:

Wenn die meisten Künstler ihre Galeriekunst sowieso nicht existenzsichernd verkaufen können und die Ausstellungen zu Events geworden sind, dann sollten wir Künstler diesen ganzen handlich mobilen Galeriekunstquatsch nicht mehr machen, die Hoffnung auf den großen (Einzelhandels)-Markt fallen lassen und sich der Lage stellend Konsequenzen ziehen.

Die Beschäftigung mit der Produktion von handelskonformen Artefakten ist Geldverschwendung, Zeitverschwendung, Energieverschwendung und vor Allem – Intellektverschwendung!

Besser wäre, kompromisslos nach Innovation auch jenseits der praktischen Handelsformate zu streben oder doch wenigstens was wirklich unterhaltsames, aufsehenerregendes oder sehenswürdiges auf die Beine zu stellen, ohne den lästig gewordenen, spielverderbenden Beigeschmack der aufkommt, wenn man die Kunsthandelsware vorgesetzt bekommt. Sexy ists erst wenn eine Nachfrage festzustellen ist, die sich aber auf alles hin einstellen kann. Domestizierte Nachahmerware herzustellen, über die nichteinmal mehr die Künstlerkollegen reden ist unerotisch und macht zeugungsunfähig.

Fazit:

Lagerware einmotten!

Atelier kündigen!

Produktion von lagerbarer Kunst einstellen!

„just in time“ produzieren – „indoor and outdoor“!

Anlassbezogen produzieren – dokumentieren, verkaufen

oder eben danach alles auflösen, verwerten, recyclen, zurückgeben.

Eberhard Bosslet 1982/2012